Am liebsten im Gastrobereich

"Ende Mai 2015 ist mein Ehemann gestorben", traurig erinnert Irene Diane Ferrari Dinta sich daran. Gemeinsam mit ihm ist sie erst knapp ein Jahr vorher in die Schweiz eingereist. Kennengelernt hatten die beiden sich in Kamerun. Traurig ist die 31-Jährige auch, weil ihr 13-jähriger Sohn aus einer früheren Beziehung noch immer in Kamerun lebt.
"Mein Sohn war sehr krank, daher konnte er nicht mit uns in die Schweiz reisen. Eine Nanni betreut ihn in Kamerun." Sie hofft, dass er ihr bald in die Schweiz folgen kann, um wieder bei ihr zu leben – doch der Tod ihres Ehemanns erschwert den Familiennachzug. Gemäss Ausländergesetz erhält ihr Sohn nur eine Aufenthaltsbewilligung, wenn die
Familie hier nicht auf Sozialhilfe angewiesen ist.

Derzeit jedoch ist Irene Diane Ferrari Dinta auf Sozialhilfe angewiesen. Als ihr Mann noch lebte, brauchte sie nicht zu arbeiten. Sie machte den Haushalt, während er fürs Einkommen sorgte. Nun ist alles anders: Die Hinterbliebene erhält eine kleine Witwenrente – diese jedoch bleibt unter dem Existenzminimum. Daher unterstützt das Sozialamt ihrer Wohngemeinde sie, bis sie eine Arbeit findet. "Ich möchte unbedingt arbeiten", sagt die Westafrikanerin. "Am liebsten im Gastro- Bereich." Damit kennt sie sich aus: In Kamerun arbeitete sie mehr als zehn Jahre in der Gastronomie. 2001 absolvierte sie eine sechsmonatige Kochattest-Ausbildung im Hotel Hilton in Kamerun, dann arbeitete sie im Service. Danach wurde sie Chef de cuisine im Hotel Royal in Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun. Zusammen mit einem Geschäftspartner aus Lausanne eröffnete die initiative Frau 2007 das "Restaurant Dumoulin chez Dinta", ihr eigenes Restaurant. Auf der Speisekarte standen Spezialitäten aus Kamerun sowie europäische Gerichte. "Sieben Jahre lang war ich meine eigene Chefin", blickt sie zurück. Bis die Liebe sie in die Schweiz führte.

Trainieren und qualifizieren
Nach dem Tod ihres Ehepartners meldete das zuständige Sozialamt Irene Diane Ferrari Dinta für ein sechsmonatiges Arbeitsintegrationsprogramm in der Libelle an: Hier sollte sie Arbeitserfahrung in der Schweiz sammeln und bei der Stellensuche unterstützt werden. "Als ich in der Libelle zu arbeiten begann, sprach ich noch kein Deutsch", erzählt sie. Das ist nun ein halbes Jahr her – Irene Diane Ferrari Dinta hat erstaunliche Fortschritte gemacht. "Jede Woche besuchte ich vier Stunden einen Deutschkurs und in der Libelle konnte ich das Gelernte täglich anwenden", sagt sie stolz. Sie ist sehr motiviert, noch mehr zu lernen. "Früher war es langweilig für mich, ich konnte nicht mit andern Leuten sprechen." Profitiert hat Irene Diane Ferrari Dinta auch von Schulungen in berufsspezifischen Fächern wie beispielweise Lebensmittelkunde. Und von der Bewerbungsunterstützung: "Einmal pro Woche konnte ich vier bis fünf Bewerbungen schreiben, bei Fragen half man mir weiter. Ich habe schon viele Bewerbungen verschickt", erzählt die Kamerunerin – leider hat es bislang noch nicht geklappt mit einer Festanstellung. "Am liebsten würde ich in einem Restaurant arbeiten – aber ich bin offen auch für andere Arbeit. Ich lerne gerne dazu", sagt sie.

Viele der Arbeiten in der Libelle waren für Irene Diane Ferrari Dinta nicht neu – sie freute sich jedoch sehr über die gebotene Chance und engagierte sich voll. "Zuerst arbeitete ich in der Küche. Grundreinigung, Abwasch, Produktion kalte und warme Küche etwa waren meine Aufgaben", erzählt sie. Dann folgte der direkte Gästekontakt im Service und hinter dem Buffet. "Schale, Cappuccino, Latte Macchiato – die Kaffeemaschine zu bedienen war für mich anfänglich eine ziemliche Herausforderung", lacht sie. Sie habe auch gelernt, flexibel, schnell und freundlich zu sein, sehr genau zu arbeiten und stets auf Sauberkeit zu achten.
"Die Zeit in der Libelle hat mir sehr gefallen, die gute Atmosphäre und der Teamgeist haben mir viel gegeben: Ich weiss jetzt, was ich möchte", sagt sie mit viel Selbstvertrauen.

Innovationsworkshop Libelle Oktober 15

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Restaurant Libelle

Die Libelle ist eine professionell geführte soziale Unternehmung, die erwerbslosen Menschen mit geringen Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine Perspektive eröffnet. Hier eignen sie sich Kenntnisse und Fertigkeiten an, die ihnen bei der künftigen Stellensuche behilflich sind. Bei ihrer Arbeit in der Küche, im Service, hinter dem Buffet oder im Office werden sie mit den marktwirtschaftlichen Anforderungen eines Normalbetriebs konfrontiert. Gastro-Fachmitarbeitende begleiten und schulen sie.

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