Flüchtlingspersonen an unsere Mentalität heranführen

Flüchtlinge aus verschiedenen (Kriegs-)Nationen sind es, die im Gartenprojekt des Bereichs Migration Co-Opera des SAH Zentralschweiz aufeinandertreffen. Unsere Sprache sprechen sie noch sehr schlecht, sie verständigen sich etwa in Arabisch, Somali, Tigrinisch, Türkisch - manchmal auch in Englisch. Einige von ihnen sind stark traumatisiert, sie haben Schlimmes erlebt. „Eine Tagesstruktur, eine Beschäftigung, mit den Händen in der Erde zu arbeiten, etwas wachsen zu sehen und  sich untereinander auszutauschen“, das sei wertvoll für diese Menschen, erzählt Ladislaus Löliger. Der gelernte Landschaftsgärtner und Schauspieler leitet das Gartenprojekt seit 2009, immer von März bis Ende November. „Letztes Jahr zum Beispiel stiessen drei Syrer zur Gruppe.  Ihre Flucht hatte sie kurz zuvor in die Schweiz geführt. Es war eindrücklich zu sehen, wie motiviert diese Männer arbeiteten. Einer von ihnen sprach englisch. Er sagte mir, dass es für ihn sehr wichtig sei, hier abschalten und etwas Konkretes machen zu können.“

Eine Tagesstruktur, Beschäftigung und Austausch sind wichtige Schritte auf dem Weg zur Integration
Die Teilnehmenden des Gartenprojekts, meist sechs bis acht Personen, sind anerkannte Flüchtlinge. „Ich bereite sie sanft auf die Arbeitsintegration in unserem Land vor. Verlässlichkeit, eine gute Arbeitshaltung und sorgfältiges Arbeiten – all das zählt im Gartenprojekt. Hier führe ich diese Menschen an unsere Mentalität heran“, beschreibt Ladislaus Löliger seine Aufgabe. Die Gruppendynamik, die entstehe, sei zentral, und von seiner eigenen Motivation hänge viel ab: „Für mich ist diese Arbeit ein Privileg, mich interessieren diese Menschen, die kulturellen Unterschiede. Es ist eine sinnvolle Arbeit, die wir hier machen.“  Manchmal gibt es jedoch schon Probleme. Beispielsweise, wenn er Arbeitsaufträge erteilt und keiner sich darum schert. Oder die Leute kommen nicht oder immer zu spät. „Ich muss dann den Chef raushängen – das entspricht mir nicht“, meint er. Ladislaus Löliger möchte die Teilnehmenden dahin führen, dass sie selbstständig tun, was zu tun ist. An drei Nachmittagen der Woche, von 14 bis 17 Uhr, trifft sich die Gruppe im Garten. „Idealerweise sieht jeder selbst, was ansteht, und packt an“, sagt Projektleiter Löliger.  Etwa Biosamen zu säen, Beete umzugraben, junge Peperoni-, Rettich- oder Bohnen-Pflänzchen zu pikieren, zu giessen oder umzupflanzen, Hecken zu schneiden oder Laub zur rechen. Ab Mitte Juni gilt es einmal die Woche Pakete mit selbst kultiviertem Gemüse zu schnüren, für den Verkauf: Neben den Gartenbeeten wird dann ein Verkaufstisch für Laufkundschaft aufgestellt. Von Quartierbewohnerinnen oder –bewohnern bestellte Gemüsepakete liefern Projektmitarbeitende persönlich frei Haus.  

„Sehr schön ist es jeweils, wenn wir gemeinsam kochen“, schwärmt Ladislaus Löliger. In der Regel sei das einmal jährlich, zum Projektabschluss. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass eine Gruppe sich mehrmals gemeinsam an den Herd stellt, im Projekt kultivierte Produkte zubereitet und sie dann gemeinsam geniesst.

Gartenprojekt

Gartenprojekt

Gartenprojekt

Gartenprojekt des SAH Zentralschweiz

Integration und Vernetzung

Bei der beruflichen, sprachlichen und sozialen Integration werden Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen von Mitarbeitenden des Bereichs Migration Co-Opera des SAH Zentralschweiz begleitet. Wir begleiten diese Menschen im Auftrag des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Luzern, vertreten durch die DISG (Dienststelle Soziales und Gesellschaft). Angebote wie das Gartenprojekt oder das Frauenpalaver ermöglichen es, Fuss zu fassen, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.

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