Neue Perspektive durch Umschulung

Der 35-jährige Urner René Fedier, gelernter Maler, liebte seinen Beruf – doch von einem Tag auf den andern konnte er ihn nicht mehr ausüben. "Im Frühjahr 2006 bekam ich schwerwiegende Bandscheibenprobleme", erzählt er. Er wurde operiert und lebt seither mit einer Bandscheibenprothese. Doch stets plagen ihn starke Schmerzen, erträglich
sind diese nur mit Medikamenten.

"Anfänglich habe ich nicht gewusst, was ich machen soll", sagt René Fedier. Klar war ihm, dass er keinen reinen Bürojob wollte. "Ich bin weder der Typ dazu noch habe ich die nötige schulische Vorbildung", erzählt er. Die Invalidenversicherung (IV) klärte die beruflichen Möglichkeiten ab und schlug eine Umschulung vor. René Fedier versuchte sich unter anderem in einer Lehre als Multimedia-Elektronik- Verkäufer. Doch nach kurzer Zeit brach er sie ab: Das viele Stehen und das Geräteherumtragen verursachten zu starke Schmerzen, und auch schulisch war diese Lehre zu anspruchsvoll.
Nachdenklich blickt René Fedier auf die schwierige Zeit damals zurück. Seine Freundin verliess ihn und er kehrte vom Kanton Luzern zurück in seinen Heimatkanton Uri. Über Jahre versuchte er vergeblich, im Arbeitsprozess wieder Fuss zu fassen, etwas aufzubauen. Schliesslich meldete eine IV-Beraterin ihn beim SAH Zentralschweiz an. "Für mich war das SAH Zentralschweiz die letzte Anlaufstelle. Wenn nichts entstanden wäre, hätte ich nicht mehr weiter gewusst, ich sah keine Perspektive mehr", erzählt er.

Doch schnell kam Bewegung in die Sache: Anfang 2014 traf René Fedier sich erstmals mit einer Beraterin des SAH Zentralschweiz, sprach lange mit ihr über seine Befindlichkeit, über Chancen und Einschränkungen, Interessen, Stärken – und über seinen Willen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. René Fedier erwähnte auch, dass er gerne im IT-Bereich arbeiten möchte. Nur zwei Wochen später begleitete die Beraterin ihn zu einem Vorstellungstermin: André Nierhaus, Techniker des IT-Teams der Kantonsschule Reussbühl, wollte ihn kennenlernen. Er war bereit, René Fedier ein von der IV finanziertes Aufbautraining anzubieten – einen Einsatzplatz mit einem reduzierten Arbeitspensum. Während eines halben Jahres sollte geklärt werden, ob der IT-Bereich das geeignete Arbeitsfeld für René Fedier ist. "Ich startete mit einem 50-Prozent-Pensum – schon dieses brachte mich anfangs körperlich und psychisch an den Anschlag", erinnert René Fedier sich. Denn der Schmerz war ein ständiger Begleiter. "Zudem hatte ich kaum IT-Kenntnisse und musste relativ schnell viel lernen, um hier arbeiten zu können."
 
Der Arbeitsalltag von René Fedier im IT-Team der Kantonsschule ist abwechslungsreich. Er verkabelt und testet PCs, schult Lehrer auf Druckersystemen und vieles mehr. René Fedier gefällt es hier, sein Durchhaltewillen ist eisern. Nach einem halben Jahr geht das Aufbautraining in einen Arbeitsversuch über: Das noch reduzierte Arbeitspensum
soll kontinuierlich gesteigert werden. "In kleinen Schritten von je fünf bis zehn Prozent ging das, Ende 2014 konnte ich Vollzeit arbeiten", erzählt er.

Nochmals in die Lehre
Und dann kam der Tag, an dem klar wurde, dass die IV weitere Kosten nur noch für eine Umschulung übernimmt. «Meine Mutter meinte beim Abendessen: 'Mach doch die Ausbildung gleich dort.' " René Fedier ging dieser Gedanke nicht mehr aus dem Kopf und ein paar Tage später fragte er André Nierhaus, ob es möglich wäre, eine Lehre im IT-Team der Kantonsschule Reussbühl zu machen. Dieser überlegte es sich und war einverstanden, die nötigen Abklärungen zu tätigen. Als Erster musste der Rektor der Kantonsschule Reussbühl damit einverstanden sein – nie zuvor war an dieser Schule ein Lehrling ausgebildet worden. Der Rektor war einverstanden, unter der Bedingung, dass
keine Mehrkosten entstünden, weil die Schule generell die Personalkosten unter dem kantonalen Spardruck senken muss. Nun folgten diverse Gespräche und Abklärungen. Die Beraterin des SAH Zentralschweiz stand René Fedier, wo nötig, unterstützend zur Seite. Im Frühjahr 2015 schliesslich konnte er einen Lehrvertrag als Informatikpraktiker
EBA unterzeichnen.
"Ich freue mich täglich aufs Neue, hier zu arbeiten", sagt René Fedier heute. "Jeder Tag ist eine Herausforderung, jede Tag bringt Neues. Immer braucht jemand Unterstützung, und die Zusammenarbeit im Team ist einfach nur toll!"

René Fediers Ziel ist es, die Ausbildung abzuschliessen, "um beruflich wieder etwas im Sack zu haben, womit ich arbeiten kann." Eventuell, meint er, finde er ja später eine Stelle, an der sich seine Kenntnisse als Maler und jene als Informatikpraktiker kombinieren lassen.

Kantonsschule Reussbühl_Jahresbericht 2015

Kantonsschule Reussbühl_Jahresbericht 2015

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