Der Rekrutierungsprozess in Zeiten der Digitalisierung

Stellenlose möglichst rasch (wieder) in den Arbeitsmarkt einzugliedern, ist die Aufgabe des SAH Zentralschweiz. Doch die Probleme präsentieren sich vielschichtig. Monika Staubli, Teamleiterin Bildung und Infozentren, erklärt: «Von der zunehmenden Digitalisierung überrollt werden vor allem Hilfskräfte – sowohl im Rekrutierungs- wie auch im Arbeitsprozess.» Manche haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, kaum Weiterbildung, wenig PC und mangelhafte Deutschkenntnisse. «Auch die sozialen Kompetenzen wie Selbstmanagement und Kooperationsbereitschaft sind wichtig. Denn die Zukunft liegt im Netzwerken, persönlich wie digital. Mit der Digitalisierung hat sich auch die Art und Weise verändert, wie gearbeitet wird. Beispielsweise hat die Arbeit in virtuellen Teams an Bedeutung gewonnen», ergänzt sie.


"Stellensuchende, die mit der digitalen Entwicklung nicht mithalten können, erhalten in den Infozentren Luzern und Sursee des SAH Zentralschweiz professionelle Unterstützung. Die Dienstleistungen wurden passend weiterentwickelt und das entsprechende Wissen aufgebaut."
Karin Lewis, Leiterin Arbeitsmarkt WAS wira Luzern



Ornella Sassano, HR-Leiterin ad interim bei der hostettler group in Sursee bestätigt, dass heute im Rekrutierungsprozess die Digitalisierung im Vordergrund steht. «Vermehrt werden Videobewerbungsgespräche geführt und im Gegenzug nehmen Papierdossiers ab.» Für sie selbst sei ein persönliches Gespräch jedoch immer noch sehr wichtig. «So lernen wir den Menschen am besten kennen», sagt sie. Reto Arnet arbeitet seit über 20 Jahren im Personalbereich, als selbstständiger Personaldienstleister nimmt er in Grossfirmen wechselnde Mandate als HR-Business-Partner wahr. Er sagt: «Es ist klar erkennbar, dass sich die Tendenz hin zu elektronischen Bewerbungen bewegt. Immer mehr Unternehmen haben Bewerbungsmanagement-Systeme, wo man direkt mit einem Link im Inserat auf eine Eingabemaske kommt.» Reto Arnet ist überzeugt, dass künftig Bewerbungen in elektronischer Form die Papierbewerbung vollständig ablösen werden. «Es gibt auch laufend mehr Möglichkeiten über Mobilgeräte wie Handys oder Tablets, Stellen zu suchen und sich direkt zu bewerben. Der ganze Rekrutierungsprozess wird dadurch dynamischer und ist immer und überall zugänglich.» Die Bewerbungen dienen laut Arnet heutzutage viel mehr als Faktengrundlage für Entscheidungen als früher. Zentral für den Abgleich zwischen dem Anforderungsprofil für die Stelle und dem Profil des Bewerbers sei der Lebenslauf. Das Motivationsschreiben hingegen verliert seiner Meinung nach an Wert. «Zuerst wird auf das Matching des Profils geschaut.»

«Das professionelle Bewerben – auch im digitalen Rekrutierungsprozess – ist heute ein Muss», betont Karin Lewis, Leiterin Arbeitsmarkt im Geschäftsfeld wira Luzern des Sozialversicherungszentrums WAS Wirtschaft Arbeit Soziales. «Sehr wichtig in diesem Kontext ist die Förderung der Grundkompetenzen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Diese beinhalten PC-Kenntnisse, Umgang mit Office-Programmen und Internet sowie das Arbeiten mit verschiedenen Medien wie PC, Tablets und Smartphone. Unsere Angebote sind auf verschiedene Zielgruppen ausgerichtet und möglichst modular aufgebaut. Sie werden laufend überprüft und der digitalen Entwicklung angepasst, wie zum Beispiel E-Learning, Blended Learning und Social Media.»

Rekrutierung in Zeitalter der Digitalisierung
Business-Netzwerke, Apps, Jobsuch-Abonnements und E-Learning
Lucia Stöckli, Fachverantwortliche des Infozentrums Luzern/Kursleiterin, unterstützt Stellensuchende, die geringe Deutsch- oder IT-Kenntnisse haben und Hilfe im Bewerbungsprozess benötigen. «Um den neusten Entwicklungen gerecht zu werden, erweitern die Infozentren Luzern und Sursee ihre Dienstleistungen», erzählt sie. Für eine bestimmte Zielgruppe werden neu Bewerbungen auch online gemacht bzw. die Stellensuchenden werden dahingehend vermehrt unterstützt. Bei der Stellensuche im Internet oder bei der Registrierung auf Job- Room.ch oder jobagent.ch, zwei mächtigen Stellensuch-Plattformen, sind die Bewerbungsberater/-innen den Stellensuchenden ebenfalls behilflich. «Die Infozentren werden in Zukunft auch vermehrt im Bereich der Mobile Devices Unterstützung leisten. So bekommen die Besuchenden ab Frühjahr 2019 Hilfe bei der Benutzung ihres Smartphones oder gewissen Apps, die ihnen bei der Jobsuche helfen», erzählt Lucia Stöckli.

Auch weitere Bildungsangebote wie die Bewerbungsmodule «Selbstmarketing», «Online fit» sowie «Social Media» des SAH Zentralschweiz werden in Gruppenkursen ab Mai 2019 angeboten. So werden Themen wie soziale Medien, Business Netzwerke/Plattformen wie Xing und LinkedIn, Apps, Bewerbung via Betriebsplattform der Arbeitgebenden, One-Click-Bewerbung oder auch die Erstellung von Jobsuch-Abonnements unterrichtet. Gleichzeitig kommen ab etwa Mitte 2019 verschiedene E-Learning-Module zum Einsatz.

Eine Arbeitsstelle zur richtigen Zeit mit der richtigen Person zu besetzen - das ist das Ziel des Rekrutierungsprozesses. Was sich so einfach und klar anhört, stellt manche Stellensuchende vor sehr hohe Hürden. Im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie hat sich das SAH Zentralschweiz 2018 intensiv mit dem Rekrutierungsprozess befasst.

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