Win-win-Situationen

Befristete Einsätze in Betrieben sind erfolgversprechende Schritte hin zu einer gelingenden Integration in den ersten Arbeitsmarkt. «Einsatzbetrieb und zu vermittelnde Person müssen möglichst gut zusammenpassen. Dabei zählt nicht allein das Fachwissen, auch die Wesensart des/der Einsatzleistenden oder Punkte wie die gute Erreichbarkeit des Einsatzplatzes mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind wichtig. Ganz zentral für eine gelingende Zusammenarbeit ist die Einsatzbegleitung. Der oder die Einsatzleistende braucht eine Ansprechperson, die es gewohnt ist, Leute zu betreuen», erzählt Beatrice Wagner, Teamleiterin Beratung und Vermittlung beim SAH Zentralschweiz. Ein Indiz für das Vorhandensein einer solchen Person sei beispielsweise, wenn der Betrieb Lernende ausbilde. «Dann ist man gewohnt, Leute zu begleiten und hat auch die nötigen personellen Ressourcen dafür», weiss Beatrice
Wagner.

Daniel Steckler, Marktmanager Stellvertreter bei Hornbach Bau- und Gartenmarkt Luzern, gibt Einsatzleistenden gerne eine Chance: «In der Regel begrüsse ich eine einsatzleistende Person selbst und führe sie ein. Danach übernehmen ein Abteilungsleiter und ein Pate die Betreuung.» Für Daniel Steckler sind diese befristeten Einsätze eine Win-win-Situation: «Wir geben der Person die Chance, wieder Fuss im Arbeitsmarkt zu fassen. Gleichzeitig lernen wir diese Person kennen und wissen, ob sie ins Team passt. Wenn ja, übernehmen wir Einsatzleistende oft in eine Festanstellung.»

Einsatzplätze, Praktika und Feststellen
Das SAH Zentralschweiz vermittelt nicht nur sechs- bis zwölfmonatige Einsatzplätze, sondern auch Praktika sowie Feststellen. Ein Praktikum dauert in der Regel drei bis sechs Monate, manchmal wird es verlängert. Idealerweise folgt auf ein Praktikum eine Ausbildung oder eine Festanstellung. Insbesondere in der Pflegebranche und in handwerklichtechnischen Berufen, in die man über eine Berufslehre
den Einstieg findet, sind Praktika unabdingbar.

Migration Co-Opera, die Fachstelle des SAH Zentralschweiz für die berufliche Integration von Flüchtlingen, ist im Auftrag der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen DAF des Kantons Luzern tätig und vermittelt geflüchteten Menschen tagtäglich Stellen. «Unsere Klientinnen und Klienten haben Arbeitserfahrung nötig», erzählt Pirmin Amrein. Er ist Teamleiter Bildung und Vermittlung und Job Coach in der Stellenvermittlung von Migration Co-Opera. «Viele von ihnen haben noch nie hier gearbeitet, meist sind sie erst seit kurzer Zeit in der Schweiz. Dadurch haben sie schlechtere Karten auf dem Arbeitsmarkt. Von einem Praktikumszeugnis profitieren sie sehr.» Ein Betrieb, in den Pirmin Amrein schon Praktikanten vermittelte, ist die TRISA ACCESSOIRES AG in Triengen. Hier engagiert sich Lukas Fischer, Leiter Logistik/Supply chain, gezielt für Geflüchtete. «Trisa ist insbesondere interessiert daran, jene Menschen mit Fluchthintergrund, die in Triengen leben, in den Arbeitsprozess zu integrieren.» Lukas Fischer hat bislang nur positive Erfahrungen mit Praktikanten aus Eritrea und Syrien gemacht. «Wir versuchen, für diese Menschen nach dem Praktikum eine Anschlusslösung zu finden», erzählt er. «Sie wollen arbeiten. Entscheidend ist, dass sie richtig Deutsch lernen. Sonst haben sie in der Wirtschaft keine Chance.»

Das SAH Zentralschweiz hat ein grosses Netzwerk an Firmen aufgebaut, auf das für Einsätze, Praktika oder Stellenvermittlungen zurückgegriffen werden kann.
Matching als entscheidender Punkt
Auch Pirmin Amrein von Migration Co-Opera macht die Erfahrung, dass Geflüchtete durchwegs äusserst motiviert arbeiten. Es gibt kaum Praktikumsabbrüche. «Ich kenne die Betriebe und habe mir über viele Jahre im Job sehr gute Menschenkenntnisse erworben. In der Regel weiss ich, welche Konstellationen von Mensch und Betrieb funktionieren. Dieses Matching ist entscheidend.» Von seinem Knowhow profitiert auch Anna Suter, Leiterin Personal bei Sonnmatt Kurhotel Residenz Luzern: «Die Zusammenarbeit mit dem SAH Zentralschweiz ist sehr angenehm. Für uns entsteht nur wenig administrativer Aufwand, da das SAH Zentralschweiz die Verträge aufsetzt und die Bewilligungen organisiert.* Die Praktikanten/-innen sind jeweils sehr leistungsbereite Mitarbeitende, die dankbar sind, dass sie eine Chance erhalten.»

Grosses Netzwerk an Firmen
Das SAH Zentralschweiz hat sich ein grosses Netzwerk an Firmen aufgebaut, auf das für Einsätze, Praktika oder Stellenvermittlungen zurückgegriffen werden kann. Gegen 500 Betriebe sind es derzeit. «Während früher die Initiative für die Platzierung von Praktikanten/-innen vorwiegend von uns ausging, kommen mittlerweile zunehmend Betriebe direkt auf uns zu, wenn sie eine/-n Mitarbeiter/-in brauchen», erzählt Pirmin Amrein. «Dann unterbreiten wir der Firma einige Dossiers von Klienten/-innen, die sich unserer Einschätzung nach für die zu besetzende Stelle eignen.» Im Jahr 2018 konnten von 100 bei der Stellenvermittlung Migration Co Opera angemeldeten Personen 83 in Anstellungsverhältnisse vermittelt werden.

Angemessene Betreuung ist wichtig
Für Einsatzplätze eignen sich grundsätzlich alle Betriebe des ersten Arbeitsmarktes, branchenunabhängig. Einzige Einschränkung: zu kleine Betriebe. Diese können die Betreuung des/der Einsatzleistenden nicht gewährleisten. Dass diese manchmal aufwändig ist, weiss Robert Leutwyler von Leutwyler Floristik: «Wenn wir eine Einsatzleistende aufnehmen, müssen Ressourcen vorhanden sei. Es sollte also beispielsweise die Lehrstelle nicht besetzt sein. Und der Beginn eines Einsatzes darf nicht in eine arbeitsintensive Zeit wie Valentinstag oder Weihnachtszeit fallen. Das sind wichtige Bedingungen. Sonst können wir die Einsatzleistenden nicht angemessen betreuen.» In der Anfangsphase, bis Routine und etwas Selbstständigkeit erarbeitet worden sind, sei eine persönliche Betreuung wichtig.

Firmen, die einen Einsatzplatz anbieten, müssen einen Rahmenvertrag akzeptieren. Es ist ein Einsatzplatzverantwortlicher zu bestimmen, der die Betreuung der Einsatzleistenden übernimmt. Im Rahmenvertrag sind die Arbeitszeiten geregelt und dass die Arbeit des Einsatzleistenden zu überprüfen ist. Die Firma muss sich auch dazu verpflichten, bei Krisen frühzeitig zu reagieren und beim SAH Zentralschweiz nachzufragen, falls Unklarheiten auftauchen sollten. Robert Leutwyler hat eine Krise mit einer Einsatzleistenden durchlaufen: «Wir waren durch die Job Coach des SAH Zentralschweiz gut begleitet. Gemeinsam schauten wir die Problematik an und versuchten sie anzugehen.» Rückblickend lobt Robert Leutwyler den offenen Umgang mit dem Problem und den intensiven Austausch. «Ich hatte jederzeit eine Ansprechperson beim SAH Zentralschweiz.»

Einsätze dauern in der Regel drei bis sechs Monate, sie können bei Bedarf bis auf neun Monate verlängert werden. Das Risiko seitens des Arbeitgebers/der Arbeitgeberin besteht darin, dass Einsatzleistende jederzeit eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt finden können – dann muss der Einsatz abgebrochen werden. Dafür profitiert der Betrieb von der Arbeitskraft – und kann im besten Fall die/den Einsatzleistende/-n in eine Festanstellung übernehmen.


*Seit dem 1. Januar 2019 gilt für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit von vorläufig Aufgenommenen (F) und anerkannten Flüchtlingen (B) das vereinfachte (kostenlose) Meldeverfahren via Amt für Migration.

Das SAH Zentralschweiz arbeitet eng mit der Wirtschaft zusammen.

Einsatzplätze und Praktika sind eine grosse Chance, wieder Fuss im Arbeitsmarkt zu fassen. In den Wirtschaftsbetrieben lernt man die Person kennen und sieht, ob sie ins Team passt. In vielen Fällen kann es anschliessend zu einer Festanstellung kommen.

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